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„Das Lebensende würdevoll gestalten“

130 Teilnehmer beim ausgebuchten Pflegeforum Palliative Care

„Würdevoll leben bis zuletzt“ – das Motto der Veranstaltung verbindet nachdrücklich die Grundfrage, wie wir Bedingungen schaffen können, damit Leben bis zuletzt und ein Sterben in Würde möglich sind.

Das hier bereits vieles erreicht worden ist, es aber immer noch einiges zu tun gibt, zeigte sich beim 2. Pflegeforum Palliative Care, das die Bürgerstiftung Rheinviertel zusammen mit ihren Kooperationspartnern Caritasverband Bonn, CBT Wohnhaus Emmaus und St. Vinzenzhaus veranstaltet hat. „Sterben lernen heißt eigentlich leben lernen“, ein Zitat, mit welchen Prof. Dr. Ursula Lehr allen Beteiligten in einem ersten Impuls deutlich machte, das Sterben und Tod als letzte Lebensaufgabe zu verstehen sind.

Rund 130 Teilnehmer sind der Einladung der Veranstalter gefolgt, darunter sowohl erfahrene Pflegefachkräfte aus der ambulanten Pflege, stationären Altenhilfeeinrichtungen und Krankenhäusern als auch Altenpflegeschüler und ehrenamtlich Engagierte. Sie alle stehen täglich sterbenden Menschen und ihren Angehörigen zur Seite und nehmen dabei deutlich wahr, dass sich der Pflege- und Betreuungsbedarf in der Begleitung schwerstkranker und sterbender Menschen auf ihrem letzten Lebensweg geändert hat und noch weiter ändern wird. Besondere Bedeutung haben dabei komplexe Mehrfacherkrankungen und die Zunahme von Menschen mit demenziellen Erkrankungen mit den daraus erwachsenden besonderen Anforderungen an die Begleitung am Lebensende. Verbunden damit sind Fragen nach Qualifikation, Verfügbarkeit und stärkerer Vernetzung der beteiligten Akteure.

Mit großer Freude verfolgte Oliver Tiemann, Vorstandsmitglied der Bürgerstiftung Rheinviertel die regen Diskussionen in den einzelnen Workshops: „Die Begeisterung und das große Interesse, mit dem sich die Teilnehmer in einen intensiven Erfahrungsaustausch begeben haben, zeigen uns als Veranstalter, dass wir für die Diskussion von zentralen Herausforderungen und möglichen Lösungsansätzen ein gutes Forum geschaffen haben. Größtes Manko in der täglichen Pflegepraxis sei der Faktor „Zeit“ für eine ganzheitliche palliative Versorgung, die neben der körperlichen Dimension auch die psychosoziale und spirituelle Dimension von Leid und Ängsten angemessen einbezieht.

Mit einem eindrucksvollen Impuls zur geistlichen Begleitung am Lebensende hat Pfarrer Dr. Wolfgang Picken, Vorsitzender der Bürgerstiftung Rheinviertel die Zuhörer im Plenum bestärkt, die Seele des Einzelnen stets im Blick zu haben: „Seien sie liebevoller Begleiter, aber bleiben sie stets ehrlich! Ehrlich zu dem Sterbenden aber auch zu sich selbst!“ So sollte man in der Begleitung Sterbender auch akzeptieren, dass auf dem letzten Lebensweg nicht auf alle offenen Fragen eine Antwort gefunden werden kann. Er zollte den 130 Teilnehmern den größten Respekt für ihren wertvollen Dienst und ermutigte sie, als Anwälte der Betroffenen klare Positionen zu beziehen.

Die Bedeutung der Ganzheitlichkeit für eine erfolgreiche Schmerztherapie und pflegerische Begleitung am Lebensende verdeutlichte Andreas Gasper-Paetz, Alpha Rheinland in ihrem Workshop. Die Teilnehmer des Workshops „Gesetzliche Neuerungen zur Stärkung einer palliativen Kultur“ unter der Leitung von Dr. Andrea Schaeffer stellten fest: „Wenn medizinische und pflegerische Fachkräfte, ehrenamtlich Engagierte und Angehörige an einem Strang ziehen, dann können wir gemeinsam etwas bewirken und dafür sorgen, dass Menschen in der letzten Lebensphase würdevoll begleitet werden.“

Über gezielte Inhalte der Ausbildung Pflegender für das Gelingen einer würdevollen Begleitung am Lebensende ging es in der Arbeitsgruppe von Ulrike Lenhart, Koordinatorin ambulanter Hospizdienst Köln. „Es ist zu begrüßen, dass nach dem Gesetz zur Reform der Pflegeberufe aus 2017 die palliativen Kompetenzen in den Ausbildungszielen zukünftiger Pflegeschüler ausdrücklich enthalten sind“, betonte sie.

Um es mit den Worten von Gerontopsychiater Prof. Dr. Hirsch und Referent zu sagen: „Sie leisten als Pflegende einen wesentlichen Beitrag zum Gelingen einer würdevollen Sterbebegleitung. Seien sie als PflegeKRÄFTE kraftvoller Löwe und verschaffen sie sich mit ihrem lauten Gebrüll Gehör und sind sie keine zahmen Kätzchen, wenn die Politik ihnen den Spiegel vorhält.“

Christine Kiderlin von der Bürgerstiftung Rheinviertel betonte: „Wir freuen uns, dass die inhaltliche und organisatorische Vorbereitung der Tagung im gemeinsamen Team der Kooperationspartner so positiv aufgenommen wurde. Wir werden dieses wichtige Thema auch im nächsten Jahr mit dem Palliativ- und Hospiztag fortsetzen, um es einer breiteren Öffentlichkeit weiter bekannt zu machen und wichtige Impulse in Richtung Politik zu setzen.“

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