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Liebe Gemeinde,

„Das ist ja mal wieder typisch für Dich“ Dieser Ausspruch ist Ihnen sicher bekannt! Gerade von Menschen, die wir lieben, haben wir ein genaues Bild im Kopf: „So solltest du sein“, „Das erwarte ich von dir“. Wir gestalten einander nach unseren Erwartungen und das scheint gerade ursprünglich menschlich zu sein.

Im Evangelium zeigt sich, dass selbst die Jünger eine fertige Vorstellung von Jesus hatten: Wie der alttestamentliche Elija müsste er sein oder besser noch, wie Johannes der Täufer.

Wer sich ein Bild von seinem Gegenüber macht und an dieses Bild all seine Erwartungen knüpft, legt den anderen fest, beschneidet ihn in seinen Lebensmöglichkeiten, lässt den anderen nicht Person sein und betrügt sich auch noch selbst. Manchmal sogar ist die Kraft unserer „Bilder“ so groß, dass wir Menschen damit verbiegen können.

Auch das Messiasbekenntnis des Petrus hat etwas von dieser verbiegenden Kraft an sich. Deshalb ist die Antwort Jesu auch so besonders hart, als Petrus ihn von seinem Weg, den ihm der Vater vorgegeben hat, abhalten will.

Hier muss Jesus klar abgrenzen: Ich kann nicht ein Messias nach euren Vorstellungen sein. So schmeichelhaft und verlockend eure Bilder auch sind: Es sind eure Bilder, nicht meine. Im Gegensatz zu Petrus sieht Jesus sich selbst, aber auch seinen Nächsten mit Gottes Augen.

Gerade in den Heilungsgeschichten zeigt sich, dass Jesus die Kranken, Ausgestoßenen und Sünder in einem anderem Licht, ja, in einer anderen Perspektive sieht. Er traut ihnen viel mehr zu, als sie es von ihren Mitmenschen gewohnt sind. Er vertraut auf ihre verborgenen Möglichkeiten.

Auf einer Hochzeitsanzeige habe ich einmal folgenden Spruch gelesen: „Einen Menschen lieben heißt ihn so sehen, wie Gott ihn gemeint hat“(Dostojewski). Was bedeutet das, einen Menschen lieben, wie Gott ihn gemeint hat? Das heißt doch: Ich nehme Abstand von meinen oftmals unberechtigten Erwartungen und Wünschen. Ich korrigiere das Bild, welches ich vom anderen habe, ich lege ihn nicht mehr fest, sondern ich lasse mich von seinem Anders-Sein überraschen.

Einen Menschen so lieben, wie Gott ihn gemeint hat, heißt außerdem: Den anderen in der Perspektive der Hoffnung im Horizont Gottes zu sehen; das bedeutet, dass ich glaube, dass der andere mehr Möglichkeiten hat, mehr Wege gehen kann, als ich ahne.

Mehr noch: Ich vertraue darauf, dass Gott jedem einzelnen ganz ungeahnte Möglichkeiten eröffnet.

Gemeindereferentin Anne-Kristin Graumann

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