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Liebe Gemeinde,

immer sind wir von ihr umgeben: am Morgen, am Mittag, am Abend. Wir können vor ihr nicht fliehen, ihr entkommen, irgendwie ausbrechen. Sie meint immer uns, will uns ansprechen, ermutigen, zu einer Entscheidung bringen. Sie will unser Interesse wecken, unsere Aufmerksamkeit binden, will uns persönlich binden.

Wen meine ich gerade? Die Liebe Gottes? Die Kraft des Heiligen Geistes? Oder irgendetwas anderes Frommes? Nein, es ist die Werbung, auch Reklame genannt. Und in der Werbung gibt es ein Wort, das am meisten bei uns Kunden erreicht: NEU. Neu muss es sein, das ist das Wichtigste. „Neu“ dieses Wort hat einen eigenen Zauber.

Dieses Wort allein weckt unsere Neugier und manchmal auch unsere Gier. Das, was gerade noch gut war, wird durch dieses „Neu“ alt. Es verliert an Glanz. „Neu“ verändert die Perspektive.

„Ein neues Gebot gebe ich euch: Liebt einander!“ sagt Jesus. Wieso eigentlich ein „neues Gebot“? Was ist daran so umwerfend neu? „Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben!“ Hingebungsvoll! In unserer Liebe tragen wir Jesus selbst in die Welt, holen wir Gott sozusagen vom Himmel herab.

Woran erkennen andere, dass wir Christen sind? An unseren schönen Gebäuden, unserer Kirche, unserem Pfarrheim? An unseren ergreifenden Gottesdiensten, an unseren zahlreichen Aktivitäten im kulturellen und sozialen Bereich, an unserer perfekten Organisation, an unserer großen Spendenbereitschaft? Man wird unwillkürlich an das Hohelied der Liebe im Korintherbrief erinnert: Wenn ich das alles hätte, hätte aber die Liebe nicht, nützte es mir nichts.

Jesus meint: Christen erkennt man daran, wie sie miteinander umgehen. Die erste Christengemeinde in Jerusalem hat das versucht umzusetzen.

Das anerkennende „Seht, wie sie einander lieben!“ hat damals stark zum Wachstum der Gemeinde beigetragen.

Kann das ein Außenstehender auch über unsere Gemeinde sagen? Wäre das für einen Neuzugezogenen ein Anstoß, bei uns dabei sein zu wollen? Hier muss unsere Gewissenserforschung ansetzen und unser Bemühen um das, was Kirche letztlich ausmacht. Die Liebe ist nicht nur das wichtigste Gebot, sondern auch das wichtigste Erkennungszeichen für Christen. Das wäre die „Hausaufgabe“ für diese Woche: einmal ernst zu machen mit dem Hauptgebot „Liebt einander! Wie ich euch geliebt habe, so sollt auch ihr einander lieben.“

Pfarrvikar Wolfgang Biedaßek

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